Stets steht eine Vorstellung von einem Motiv oder eine Musterzeichnung am Beginn eines Stickprozesses. Bei den Kleinstick- und den Freiarm-Nähmaschinen (Stepp-, Adler- oder Kurbelstickerei) wird die Mustervorlage direkt auf den zu bestickenden Stoff übertragen. Im einfachsten Fall zeichnet man das Muster mit einem wasserlöslichen Markierstift auf den Stoff und stickt es ab.
Oft ist jedoch das Ziel, mehrmals das gleiche Muster zu sticken. Dann bedarf es einer Schablone oder Mustervorlage. Üblicherweise kann man heute Stickmuster-Vorlagen käuflich erwerben. Man klebt oder bügelt das dünne Stickvlies mit dem Muster auf den zu bestickenden Stoff. Ist die Stickerei beendet wäscht man das Vlies mit warmen Wasser aus.
Besonders bliebt waren früher Kupfer-Schablonen für ein häufig wiederkehrendes Motiv, oft waren das Buchstabenmotive. Denn einst mussten die Wäschestücke der Aussteuer mit den Initialen der Frau gezeichnet werden. Da waren gestickte Monogramme eine besonders haltbare Form der Wäschezeichnung. Für diese Stickereien wurden Kupfer-Schablonen mit verschiedenen Zierschriften im Handel angeboten. Die Schablone wurde auf den zu bestickenden Stoff gelegt und mit einer Lösung aus Wäscheblau bestrichen. Der so abgebildete Buchstabe konnte nun gestickt und das Wäscheblau nachträglich ausgewaschen werden. Der Prozess war unbegrenzt wiederholbar.
Aufwändiger war es, wenn von einem individuellen Muster eine Kleinserie hergestellte werden musste, wie dies in der gewerblichen Kleinstickerei häufig vorkam. Hierfür wurde eine mehrfach verwendbare Schablone des Musters aus Transparentpapier hergestellt. Dazu zeichnete man das Muster auf Transparentpapier. Im Anschluss erzeugte man die Schablone, indem man die Konturen der Musterelemente sehr fein perforiert. Dies kann mit Hilfe einer dünnen Nadel manuell erfolgen. In der gewerblichen Stickerei verwendete man dafür eine Schablonen-Stechmaschine.
Mit der so erstellten Musterschablone konnte man das Muster auf den Stoff übertragen. Dazu wurde das perforierte Transparentpapier auf den zu bestickenden Stoff aufgelegt. Nun reibt man ein auswaschbares Farbpulver über das Papier. Dabei wird die Musterkontur auf den Stoff durchgepaust. Als Farbpulver verwendete man oft Wäscheblau in Pulverform, aber auch Graphit-, Holzkohle- oder Kreidepulver für dunkle Stoffe.
Manchmal wurden die entstandenen Musterkonturen nachträglich mit einem Markierstift nachgezogen. Je nach verwendetem Farbpulver oder Markierstift fixierte man die Kontur mit Spiritus, der mittels Zerstäuber aufgetragen wurde.
Die Schablonen-Stechmaschinen (auch als Stüpfelmaschine bezeichnet) waren in verschiedenen Ausführungen ab 1840 bis in die 1960er Jahre im Einsatz. Die Stechmaschine besteht – wie bei der manuellen Arbeitsweise – aus einer feinen Nadel, welche durch einen mittels Fußwippe in Gang gesetzten Kurbelmechanismus auf und nieder bewegt wird. Damit wird das Transparentpapier entlang der Musterkontur kontinuierlich perforiert, was eine erhebliche Zeit- und Arbeitseinsparung beim Schabonieren war.
In der Schaustickerei ist eine Schablonen-Stechmaschine aus der Zeit um 1900 ausgestellt. Die Maschine wurde von der Firma Louis Axthelm, Fürstenstraße 14, in Plauen gebaut. Die Firma entstand in den 1880er Jahren als Messinggießerei und Dreherei. Etwa ab 1895 bis in die 1920er Jahre wurden von Axthelm auch Schablonen-Stechmaschinen gebaut.